Wohlig warmes Licht im klirrend kalten Winter
Von Johann Werfring
Das Sternwarte-Museum der Universität Wien zählt gemeinsam mit der Universitätssternwarte zu den kulturellen "Geheimtipps" in der Bundeshauptstadt.

Spektrometer aus der Zeit um 1900 im Wiener Sternwarte-Museum.
Foto: Johann Werfring
Das für Dezember 2011 als "Objekt des Monats" ausgewählte – noch funktionstüchtige – Spektrometer aus der Zeit um 1900 ist über seine historischen Bezüge hinaus auch aus aktuellem Anlass interessant. Optische Spektrometer dieser Art zerlegen Licht mithilfe eines Glasprismas in die einzelnen Wellenlängenanteile, wodurch es möglich ist, die Intensität des Lichts in Abhängigkeit von der Wellenlänge darzustellen.
Der Spektralbereich von Glühlampen
In der Astronomie wird ein Spektrometer beispielsweise für die Ermittlung der Temperatur von Himmelskörpern eingesetzt. Auch lässt sich damit über die ermittelten Spektrallinien die Zusammensetzung von Sternen und Galaxien bestimmen. Freilich gibt es dazu heute schon verfeinerte Geräte.
Mit dem historischen Spektrometer des Museums können die Besucher auf recht lebenspraktische Weise Bekanntschaft machen: Wird das Gerät auf eine mit einer (bisher im Handel erhältlichen) 60-Watt-Glühlampe bestückte Lichtquelle gerichtet, so lässt sich durch das Okular ganz deutlich ein anderes Spektrum erkennen als wenn es auf eine Energiesparlampe gerichtet wird. Der Spektralbereich von Glühlampen beinhaltet hauptsächlich gelbe, rote und orange Farbkomponenten, man spricht in diesem Zusammenhang von "warmweißem Licht". Im Falle einer Energiesparlampe (die "kaltweißes Licht" produziert) herrschen im Linienspektrum hingegen blaue und grüne Farbkomponenten vor.
Das optische Spektrum der Sonne
Wie bei der Führung zu erfahren ist, gibt es im Weltall neben Sternen mit warmweißem Licht auch Sterne mit kaltweißem Licht. Indes handelt es sich bei dem von den Menschen als überaus angenehm empfundenen Sonnenlicht um warmweißes Licht. Wie Forschungen ergeben haben, wird deshalb das warmweiße Licht von Glühlampen insbesondere im Winter als besonders angenehm empfunden.

Blick durch das Spektrometer auf kaltweißes Energiesparlampen-Licht.
Foto: Thomas Posch
Während es zunächst nur Energiesparlampen mit kaltweißem Licht gab, werden mittlerweile, um Kundenwünsche zu befriedigen, auch solche mit warmweißem Licht produziert. Diese sind wesentlich angenehmer als jene mit kaltweißem Licht, reichen jedoch an das Spektrum von Glühlampen dennoch nicht restlos heran…
Buchtipp: Jürgen Hamel, Isolde Müller und Thomas Posch: Die Geschichte der Universitätssternwarte Wien (= Acta Historica Astronomiae, Bd. 38), Verlag Harri Deutsch, Frankfurt am Main 2010, 324 Seiten, Preis: 29,80 Euro.
Filmtipp: www.bulbfiction-derfilm.com
Sternwarte-Museum
Universitätssternwarte Wien
1180 Wien, Türkenschanzstraße 17
Führungen nach Voranmeldung für Gruppen
mit maximal 10 Teilnehmern
Tel. (01) 4277/538 00
http://astro.univie.ac.at
Artikel erschienen am 17. November 2011
in der Kolumne "Museumsstücke"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "ProgrammPunkte", S. 7
© 2011 Johann Werfring
Tipp- und Satzfehler vorbehalten; die publizierte Onlinefassung kann von der Printfassung im Wortlaut geringfügig abweichen.
Die Kolumne "Museumsstücke" erscheint seit 4. Februar 2002 wöchentlich in der "Wiener Zeitung".

Kommentare
Als Tiffany sie baute, waren Kohlefadenlampe n mit einem langsamen Wechselstrom üblich - besonders warmes Licht und ein leichtes "Zittern" des Lichtes gaben den Lampen mehr Leben als die bis vor kurzem üblichen Glühlampen. Die waren aber immerhin für dieses Farbglas noch schöner, als die Sparlampen.
Können Sie sagen, wie sich in dieser Hinsicht Led Lampen auswirken werden ?
Mit den besten Grüssen
Dr. Wolfgang Metka
PS: wenn Sie mir bitte antworten auf die angegebene e-mail Adresse - auch im Falle, dass Sie keine Antwort wissen.
Mit dem besten Dank .