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WEIN

Seit 26. Mai 2003 erscheint in der "Wiener Zeitung" wöchentlich die Kolumne "Werfrings Weinjournal". Nachfolgend ausgewählte Beiträge.

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11.11.2011

Grüner Veltliner trifft Wiener Schnitzel

Von Johann Werfring

Eine Kombinationsverkostung der wohl typischsten österreichischen Nationalprodukte im lukullischen Bereich fand kürzlich im Wiener Traditionscafé Frauenhuber statt.

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Die Kombinationsverkostung von Wiener Schnitzel und fünf verschiedenen Grünen Veltlinern im Café Frauenhuber erbrachte ein aufschlussreiches Ergebnis.
Foto: Johann Werfring

Ein vorzügliches Wiener Schnitzel zu bekommen ist in der österreichischen Bundshauptstadt heute gar nicht mehr so einfach. Zu den verlässlichsten Wiener Wirtshausadressen zählen in dieser Hinsicht der Gmoakeller am Heumarkt, der Meixner in der Buchengasse und der Seidl in der Ungargasse. Thomas N. Burg, der sich mit seinem Online-Shop "burgWeine" ausschließlich auf Grünen Veltliner spezialisiert hat, wählte für die Kombinationsverkostung "Grüner Veltliner zu Wiener Schnitzel" als Veranstaltungsort das älteste erhaltene Kaffeehaus Wiens in der Innenstadt: das Café Frauenhuber – dort wird das Wiener Schnitzel ebenfalls noch in guter alter Manier im Pfandl zubereitet.

Da bezüglich der Kombination von Wein und Speisen oft Verunsicherung besteht, holen sich Konsumenten heutzutage nicht selten Rat aus dem Internet. Googelt man zur Kombination von Wein und Wiener Schnitzel, so stößt man alsbald auf eine Webseite, die unter der Überschrift "Wozu passt Grüner Veltliner?" folgende Information bietet: "Laut einer Umfrage bei österreichischen und deutschen Sommeliers gibt es keinen besseren Wein zu Wiener Schnitzel und weißem Spargel. Aber auch zum Backhendl, zu gebratenem Zander oder Wels (Waller) mundet er vorzüglich. Seine Vielseitigkeit hat ihm von Spöttern die nicht sehr freundlich gemeinte Bezeichnung 'Roger-Whittaker-Wein' eingetragen, denn er passt immer und zu allen Gerichten." Eine weitere Internetseite bescheinigt dem Grünen Veltliner "sowohl klassisch als auch als Reserve ein idealer Begleiter zum Schnitzel" zu sein.

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Kombinationsverkostung von Grüner Veltliner und Wiener Schnitzel im Café Frauenhuber in der Wiener Innenstadt. Foto: Johann Werfring

Nicht zuletzt um solche Pauschalaussagen zu hinterfragen, nahm ich kürzlich an der vorab schon interessant klingenden Verkostung im Café Frauenhuber teil. Veranstaltungsleiter Thomas N. Burg wählte aus dem Sortiment seines Shops fünf Weine, die nicht nur aus verschiedenen Anbaugebieten stammen, sondern auch unterschiedliche Jahrgänge und Stilrichtungen repräsentieren. Sie weisen unterschiedliche Restzuckerwerte auf, teils wurden sie in Holzfässern, teils im Stahltank geschult.

Die Weine wurden gedeckt (ohne sichtbares Etikett) eingeschenkt, die Bewertung erfolgte nach dem 5-Sterne-Schema, wobei eine Wertung von fünf Sternen die optimale Kombination von Wein und Wiener Schnitzel zum Ausdruck brachte. Das Schnitzel (vom Kalb) wurde mit Petersilienkartoffeln und Zitrone – aber ohne Salat – kredenzt. Die zehnköpfige Verkosterrunde setzte sich überwiegend aus Personen zusammen, die professionell mit Wein befasst sind, in wenigen Fällen handelte es sich um Probanden mit gesteigertem Interesse am Rebensaft.

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Unser Ergebnis widerlegte recht eindeutig die zuvor angeführten Pauschaleinschätzungen. Zum Kombinations-Sieger kürten die Verkoster in nahezu geschlossener Einmütigkeit den im Holzfass ausgebauten Grünen Veltliner Hundsberg 2007 von Leo Uibel (Ziersdorf/Weinviertel). Für mich (in der Tabelle als Koster Nr. 10 ausgewiesen) ergab sich das Optimum infolge des guten Extrakts und der würzebetonten Beschaffenheit dieses ausgewogenen Weins, der zugleich kräftig und trinkfreudig ist. Der insgesamt zweitgereihte Wein von Franz Prechtl (Zellerndorf/Weinviertel) polarisierte ein bisschen. Ausschlaggebend für meine doch etwas niedrige Wertung war sicher auch der Umstand, dass der säurebetonte 2010er Altenberg mit sehr guten Formaten höherrangiger Jahrgänge konfrontiert war. Wäre dieser (von mir geschätzte) Wein in einer ausschließlichen 2010er Serie angetreten, wäre meine Wertung wohl anders ausgefallen. Der drittplatzierte vielschichtige, körperreiche Grüne Vetliner Fumberg 2009 von Wimmer-Czerny (Fels am Wagram) wurde ebenso überwiegend als guter Begleiter des Wiener Schnitzels empfunden.

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Thomas N. Burg mit Kombinationssieger Grüner Veltliner
Hundsberg 2007 von Leo Uibel, Ziersdorf/Weinviertel.
Foto: Johann Werfring

Als wenig bis gar nicht geeignet beurteilten die meisten Teilnehmer den Grünen Veltliner Lamm 2008 von Johannes Hirsch (Kammern/Kamptal) sowie den Grünen Veltliner Tschaterberg 2009 von Uwe Schiefer (Welgersdorf/Südburgenland). Im Falle von Hirschs Lamm empfand ich die exotischen Einsprengsel als unpassend und bei Schiefers Tschaterberg widersetzte sich die vom Holz gestützte burgundische Machart dem Schnitzel allzu heftig. Wie sich in der Diskussion herausstellte, wurden diese beiden Weine von etlichen Verkostern sogar als besonders interessant und qualitativ herausragend bezeichnet, jedoch als ungeeignet in der Kombination mit Schnitzel eingestuft. Mithin kann die eigenständige Prägung edler Kreszenzen in Kombination mit Wiener Schnitzel als aufdringlich empfunden werden, während sie bei bestimmten anderen Speisen die ideale Ergänzung bietet. Es wäre übrigens auch interessant zu erkunden, wie die getesteten Weine abschneiden, wenn zum Schnitzel zusätzlich Salat gereicht wird…

Info: http://s.burg.cx/schnitzel


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Artikel erschienen am 11. November 2011
in der Kolumne "Werfrings Weinjournal"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal", S. 38–39
© 2011 Johann Werfring

Tipp- und Satzfehler vorbehalten; die publizierte Onlinefassung kann von der Printfassung im Wortlaut geringfügig abweichen.

"Werfrings Weinjournal" erscheint seit 26. Mai 2003 wöchentlich in der "Wiener Zeitung".